Dienstag, 19. April 2011

Memento

Eine Kleinigkeit über mich hatte ich vergessen zu erwähnen. Ich bin ziemlich vergesslich. Das heißt nicht, dass ich mir gar nichts merken kann. Aber gewisse Dinge schlüpfen mir immer mal wieder durch's Netz.

Wenn ich z.B. zu Hause aufräume, kommt früher oder später der Punkt, an dem ich den Raum wechsle um etwas wegzubringen, etwas zu holen oder etwas anderes zu erledigen, das aus ablauftechnischen Gründen so wichtig ist, dass es sich lohnt, den Raum zu verlassen, obwohl ich damit noch gar nicht fertig bin. Unterwegs fallen mir dann meistens zwei bis 18 weitere ablauftechnisch wichtige Dinge auf und ein. Diese lege ich auf meinen Verarbeitungsstapel im Kopf, was nach kurzer Zeit zu einem überlauf - oder besser gesagt zu einem Unterlauf führt: die ältesten Einträge fallen unten raus und sind vergessen. So sind nach kurzer Zeit diverse offene Baustellen strategisch über die Wohnung verteilt. Die zwei jeweils neusten Baustellen sind in meinem Verarbeitungsstapel vermerkt mit dem Hinweis, dass dieser keinen Anspruch auf Vollständigkeit erhebt.

Der Film "Memento" handelt von einem Menschen, der sich aufgrund einer Verletzung nichts für länger als ein paar Minuten merken kann. Dieser fiktive Überlebenskünstler berichtet, dass Notizen für ihn unverzichtbar sind. Jedoch sorgt eine unstrukturierte Sammlung von Notizen nur für Verwirrung, insbesondere wenn die Nachricht selbst oder ihr Kontext verloren geht. Er muss seine Notizen, seine Nachrichten an sein isoliertes, zukünftiges Ich, so platzieren, dass er automatisch im richtigen Kontext darauf stößt. Daher hat er sich z.B. sein Thema des Tages spiegelverkehrt auf die Brust tätowieren lassen: "John G. raped and murdered my wife." Krasser Hund.

Ganz so krass bin ich nicht - weder bezüglich des Tagesthemas, noch was die Vergesslichkeit angeht. Aber ich stand schon das eine oder andere mal nass unter der Dusche mit den Gedanken: Scheiße, kein Shampoo / Duschgel / Handtuch! Mit geeigneten Notizen wäre das nicht passiert. Aber mit Post-Its kommt man da nicht weit (obwohl der Name so vielversprechend klingt). Der Trick ist, Dinge so zu platzieren, dass man darauf stößt, wenn ein günstiger(er) Moment ist, sie zu bearbeiten. Am besten legt man für sich solche Plätze fest und überlegt sich Regeln, was mit bestimmten Dingen an diesen Plätzen geschehen soll. Für mich als Informatiker ist das ganze dann ein Alltagsalgorithmus.

Jetzt mag der ein oder andere sich Fragen, was dieses theoretische Gesülze über Alltagsalgorithmen soll, daher kommt jetzt ein praktisches Beispiel, das die meisten bestimmt so oder ähnlich bereits selbst umsetzen. Es geht erneut um Wäsche:

  • Kleidung im Schrank ist sauber und kann angezogen werden.
  • Kleidung im Wäschekorb ist dreckig und kann gewaschen werden.
  • Kleidung anderswo muss weggeräumt werden, nämlich:
    • Saubere Kleidung kommt in den Schrank.
    • Dreckige Kleidung kommt in den Wäschekorb.

Wer sich daran hält, muss nur im Schrank nachsehen auf der Suche nach sauberer Wäsche. Und ob es sich lohnt, die Waschmaschine anzuwerfen, verrät ein Blick in den Wäschekorb. Jaja, banales Zeug. Doch interessant wird's, wenn man es schafft, seine regelmäßigen Problemchen damit in den Griff zu bekommen...